19.6.1999
Vier Chaetostoma habe ich heute entdeckt und sofort gekauft. Diese wulstige Form des vorderen Schädels hat mich schon immer fasziniert. Gebirgsharnischwels heißen sie auch, und sie leben in den nördlichen Gegenden Südamerikas in schnellfließenden, sauerstoffreichen Gewässern. Meine Strömungspumpe wurde sofort angenommen - einer von ihnen hält sich nur in der Röhre auf, durch die ich die Strömung geleitet habe.

Na mal seh'n, wie's mit ihnen weitergeht..........
14.07.1999
Sie sind plötzlich alle tot! Ich konnte die Temperatur nicht tief genug halten bei der momentanen Hitze - ich schäme mich so.......
Nein, einer hat überlebt! Ich besorge mir sofort ein Becken für den Keller, in dem ich niedrigere Temperaturen halten kann (siehe Bachbecken und setze ihn zusammen mit einer Farlowella um. Bis heute (20.7.) hält er sich dort wunderbar und surft regelrecht in der Strömung der Strömungspumpe.
29.8.1999
Nach einer Urlaubskatastrophe (siehe Bachbecken) hat er leider nicht überlebt - ich bin dadurch natürlich schlauer geworden und werde mir auf jeden Fall wieder ein paar von ihnen besorgen.

24.9.1999
Mein Dealer rief heute an, er hätte ein Paar Chaetostoma soundso bekommen........Ich werde gleich morgen hinfahren!

6.10.1999
Ein neuer sitzt im Bachbecken, vermutlich Chaetostoma sp. L 148, Grundfarbe blau und dunkle Punkte über den ganzen Körper verteilt.

Seit Dezember habe ich wieder zwei von ihnen - ich konnte nicht widerstehen und werde mir Mühe mit ihnen geben.

24.10.1999
Ich habe einen dabei beobachtet, wie er eine zehn mal größere Loricaria simillima angegriffen hat und sie verscheucht hat! Ich muss die Loricarias wohl von ihnen trennen....

26.01.2000
Die Chaetostoma halten sich gut - ich habe mir noch drei besorgt, wobei einer während der Heimfahrt gestorben ist (mein Gott, sind die empfindlich!)...
Es sollen welche aus dem Rio Xenu sein.

8.2.2000
Jetzt haben sie sich eingewöhnt: Sie sind nicht mehr so schreckhaft und lassen mich beim Knabbern an den Futtertabletten schon mal zukucken.

18.3.2000
Sie sind doch empfindlicher, als ich bisher dachte......
Fünf Exemplare in grau/metallic mit Punkten (siehe Foto oben) habe ich, wobei einer vorher schon während des Transportes gestorben ist.
Inzwischen habe ich noch drei ockerfarbene ohne Punkte entdeckt, und auch hier ist wieder einer während des Transportes gestorben. =:-(

Den Weg zum Wohlbefinden der kleinen Kerlchen habe ich aber wohl mitlerweile herausgefunden:
20 Grad Celsius, starke Filterung und sehr starke Stömung. Ich habe einen Diffuser am Ende des Filterrückstrahlrohrs, eine 1000 l/h Strömungspumpe und eine 500 l/h Strömungspumpe mit noch einem Diffuser am Austritt.
Die Welse surfen ziemlich agil und "vielbeschäftigt" hin und her. Hauptfutter sind die Wels-Pflanzentabletten. Dass sie Lebendfutter fangen habe ich noch nicht beobachten können. Heute habe ich ihnen mal eine Kartoffel, die bei allen anderen Welsen bisher immer der Hit gewesen ist, reingelegt....

Nix ! Kein Interesse an der Kartoffel!
Es kann doch nicht sein, dass sie nur Futtertabletten und Wurzel brauchen...?

7.5.2000
Nach zwei Wochen Urlaub im Süden bin ich mit ängstlichem Blick in den Keller (wenn die Srömungspumpen oder der Filter versagt haben, ist die Überlebenswahr-scheinlichkeit für die Welse sehr gering!) - nichts! Alles in Ordnung.
Nächster Versuch mit einem Kartoffelspieß. Auch diesmal interessieren sich nur die Posthornschnecken für die Kartoffelscheiben.
Ein Versuch mit Krill funktioniert aber! Tiefgefrorener Krill wird aufgetaut und den Chaetostoma angeboten - und sie fressen es...!!!
Futtertabletten Krill Tubifex und Enchytraen werden von ihnen angenommen. Wegen der starken Strömung ist wohl an freischwimmendes Lebendfutter nicht zu denken - Versuche mit weißen Mückenlarven sind fehlgeschlagen.
22.5.2000
Eine zusätzliche kleine Schieferplatte von mir auf den Sandboden gelegt hat die Reviersituation im Aquarium ziemlich durcheinander gebracht: Offenbar haben diese Welse trotz sehr starker Stömung und ständigem hin- und herschwimmen feste Standorte, von denen aus sie die nähere Umgebung genau beobachten und auch verteidigen. Ich muß demnächst noch mehr Versteckmöglichkeiten anbieten, damit jeder von ihnen Deckung hat.

22.10.
Ich habe einen von ihnen beim Raspeln an einer etwas älteren Kartoffelscheibe gesehen.

31.12.
Ich habe alle vier Welse in ein kleineres Becken 40x30x30 umgesetzt, weil ich das Bachbecken für den Zuchtversuch mit den LDA 31 brauche.
Die Chaetostoma haben sich aber sofort eingewöhnt und nicht wie früher gefremdelt!


18.11.01
Durch Zufall war ich eben nach dem Lichtaus nochmal an dem Chaetostoma-Becken und mußte mitansehen, wie ein Chaetostoma (wie er am Kopf der Seite abgebildet ist) einen olivfarbenen töten wollte!
Das Opfer lag schon auf der Seite und der Gegner rammte seinen Kopf andauernd seitlich in den anderen hinein. Ich habe den halbtoten Chaetostoma, der unter seiner Panzerung überall Blutergüsse zeigte, sofort einzeln gesetzt und hoffe, daß er das alles überlebt.
19.11.
Er hat es leider nicht überlebt!
4.1.02
Ich richte ein großes Strömungsbecken für u.a. die Chaetostoma ein und habe dabei schon mächtigen Wirbel im Wasser incl. einer Wanderdüne hervorgerufen.
Das Becken hat die Maße 190x45x40, also brutto 342 ltr. Die Strömung soll heftig von links nach rechts über Steinberge und Flußkiesel und Sand laufen und dabei ständig die Landschaft verändern.

Ich habe alle vier Chaetostoma heute umgesetzt und das war für beide Seiten nicht gerade stressfrei:

Die zwei Becken, in denen sich die Chaetostoma bisher aufgehalten haben, waren ziemlich verseucht mit Planarien und ich wollte um keinen Preis Planarien in das neue Bachbecken schleppen, aber wie macht man das?
Das vorsichtige Fangen der vier Chaetostoma mußte ich mir gleich zu Beginn abschminken - sie spielten verrückt beim Anblick des Keschers....
Also fing ich sie mit großer Mulmaufwühlerei und setzte sie in einen sauberen Eimer, in den ich langsam Wasser über einen dünnen Luftschlauch aus dem neuen Becken träufeln lies. Einige Planarien waren aber mit Kescher und Fischen auch in den Eimer gewandert. Also saugte ich immer möglichst viel Wasser aus dem Eimer ab und lies neues nachträufeln, wobei ich gezielt herumkriechende Planarien mit absaugte. Man weiß aber nie genau, ob nicht doch noch ein paar Planarien in irgendeiner nicht so genau zu sehenden Ecke übriggeblieben sind. Dann entschloß ich mich, den gesamten Eimerinhalt durch den (vorher nochmal ausgekochten) Kescher zu gießen und dann die darin sich befindenden Chaetostoma aus dem Kescher in das neue Wasser plumpsen zu lassen - aber es kam anders.
Mit Schwung schüttete ich den Eimerinhalt aus, die Chaetostoma waren nicht dabei! Sie hatten sich alle fest an den Eimerboden gesaugt und dachten nicht daran, diesen "sicheren" Platz jetzt zu verlassen. Der Eimer war zu breit, um ihn kopfüber in das Becken zu tauchen, also zog ich die Chaetostoma einzeln am Schwanz vorsichtig vom Eimerboden ab und setzte sie in's Wasser. Sie schwenkten ihren Körper dabei wie ein Pendel kräftig hin und her, wie es in vergleichbarer Situation die Bratpfannenwelse tun, wenn sie sich befreien wollen und mit dieser Methode probieren, dem vermeintlichen Freßfeind die Stacheln ihrer Brustflossen in den Körper zu rammen.
Aber am Ende waren alle im neuen Becken und saugten sich erstmal erschreckt irgendwo fest.

Nächster Tag:
Keiner der Welse ist in dem riesigen Becken zu sehen - war ja klar :)
Aber dann sehe ich doch zwei von ihnen, nachdem ich längere Zeit unbeweglich vor dem Becken gesessen habe. Wahrscheinlich sind sie jetzt eher als früher in ihrem Element: Sie befinden sich in Richtung der starken Strömung, aber im Strömungsschatten hinter einem größeren Stein und festgesaugt an einem kleineren Stein. Ihre Position ist dabei fast unterhalb des Steins - sie liegen praktisch auf dem Rücken und haben den jeweiligen Stein über sich.
Ich mache mir schon wieder Sorgen über ihre ausreichende Ernährung - wie schon am Anfang, als ich sie gekriegt hatte, wobei sie da eigentlich an alle angebotenen Futterarten gegangen sind.
Hier aber, in dieser gewaltigen Strömung, müssen sie ihr Futter eigentlich verfolgen und regelrecht fangen. Die üblichen Welstabletten, die sie bisher immer gefressen haben, taumeln hin und her durch das Aquarium und es sieht nicht so aus, als ob sie da irgendwelche Verfolgungsambitionen hätten. In ihrem Ursprungsbiotop müssen sie das aber um sich zu ernähren......
Ich werde mal ein paar aufgetaute rote Tiefkühlmückenlarven in's tobende Wasser werfen.

18.1.
Ich habe nun drei gepunktete Chaetostoma und einen olivfarbenen. Der Ausgewogenheit halber habe ich mir heute noch drei olivfarbene besorgt, drei, damit ich nach den üblichen Transportverlusten bei Chaetostoma wenigstens wirklich zwei Stück übrig behalte und zu dem dritten setzen kann. Die Eingewöhnung aller drei dauerte zwei Stunden, aber einer von ihnen ist schon deutlich torkelnd aus der Transporttüte herausgekommen - und richtig, er hat leider nicht überlebt!
Ein zweiter ist ebenfalls gestorben.

25.1.
Sie haben sich eingelebt. Ab und zu suchen sie schon hinter der Düne nach dort herumkreiselnden Futtertabletten während ich vor dem Becken sitze.

5.4.
Heute hatte ich endlich mal die Gelegenheit, mit meinem Aquariendealer zu einem Aquariengroßhändler zu fahren und dort die Welsmassen zu bewundern.
Drei Arten musste ich dann mitnehmen, u.A. vier Chaetostoma milesi, die ich nach stundenlanger Eingewöhnungsprozedur zu den anderen Chaetostoma in's Bachbecken setzte. Sie sind alle vier schon eine Nummer größer, als die Alteingesessenen und heute am 6.4. konnte ich schon wilde Jagden durch das Wasser beobachten.


5.5.
Alle Chaetostoma haben sich inzwischen gut eingelebt und machen wilde Jagden durch das Strömungsbecken, wobei man merkt, wie schnell sie wirklich sind. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich sie jemals wieder per Kescher in diesem Becken fangen könnte.

10.10.
Ich habe massenweise Schiefergesteinsplatten in allen möglichen Größen vom Urlaub am Strand der Normandie mitgebracht und verteile sie in dem Bachbecken ungleichmäßig über den gesamten Bodenbereich. Es hat den Anschein, als ob die Chaetostoma wegen des dadurch zahlreicher werdenden Angebots an Unterschlüpfen, ein ihrem Ursprungshabitat noch mehr entsprechendes Ambiente gefunden haben. Sie besetzen sofort neue Höhlen - meistens unter den etwas schräg in das Wasser aufragenden Platten.
Angebotener Brokkoli wird aber nach wie vor verschmäht!


21.10.
Die Chaetostoma zeigen ein "soziales" Verhalten:
Durch das massenweise vorhandene Angebot an Unterschlupfmöglichkeiten unter den zahlreichen schrägen, manchmal fast waagerechten Schieferplatten und das gleichzeitige Vorhandensein von über die gesamte Beckenlänge gestaffelten, senkrechten Steinplatten, haben und nutzen sie die Möglichkeit, eine Form von Einkriege- und Versteck"spiel" zu betreiben, das nicht in Kommentkämpfen oder Revierabgrenzungsstreitigkeiten endet. Es sieht so aus, als seien die Macht- und auch die Revierverhältnisse geklärt, und es ergeben sich dadurch spielerische Annäherungsmöglichkeiten, die bei Stress sofort durch blitzartige Flucht in die jeweils eigene Höhle unterbrochen werden können.
Das Bachbecken macht deshalb auf den Betrachter erstmal einen merkwürdigen Eindruck:
Auf den ersten Blick sieht es unbewohnt aus, aber plötzlich zucken in den Augenwinkeln irgendwelche schemenhaften Schatten von unter den Steinen, über andere Steine und wieder unter die Steine und Stille. Wenn ein Chaetostoma auf einem Stein unbeweglich liegenbleibt, verschwindet er durch seine Form und Farbe auch zwischen den Steinen und schon ist das Becken wieder für einen Moment unbelebt - oder war das alles sowieso nur eine Halluzination, eine Einbildung des Betrachters?

13.3.03
Diese Chaetostoma sind echte Killer! Ich habe vorhin einen von ihnen beobachtet, wie er auf einen friedlichen, aber wohl zufällig an die Reviergrenze dieses Chaetostoma geratenen Bürstenhexenwels (Hemiloricaria sp.aff. latirostris) eingedroschen hat (anders kann man das wirklich nicht mehr nennen!), wobei dieser Hexenwels dreimal so lang und auch etwas breiter als der Chaetostoma gewesen ist. Er schwamm ihn in Windeseile ständig von oben an und bearbeitete ihn mit seinem Maul (vor längerer Zeit hatte ich ja schon aml einen Chaetostoma dabei erwischt, wie er durch heftiges Schlagen mit seinen Interopercularodontoden einen Artgenossen getötet hat!).
Der Bürstenhexenwels konnte sich nur dadurch retten, dass er flüchtete und sich dann sofort tief in den Sand einbuddelte. Von diesem Moment an war er für den Chaetostoma praktisch unsichtbar geworden und er lies von ihm ab.
Die Corydoras barbatus und die Beaufortia leveretti, die sich auch in dem großen Bachbecken befinden, werden aber offenbar nicht behelligt.

2.4.03
Heute entdecke ich einen winzigen Chaetostoma milesi (?) an der Frontscheibe!

Er ist ca. 1 cm lang, wohlgenährt und raspelt eifrig über die Scheibe. Er sieht seinen Eltern schon ziemlich ähnlich, zumindest von der Bauchseite her, und hat natürlich auch schon dieses typische Maul. Farblich ist er gelblich mit schwarzem Bauch.
6.4. Ich habe ihn heute wieder gesehen - er raspelte sich über einen großen Flusskiesel durch den Aufwuchs - gelbes Körperchen und schwarzer Bauch.

19.10.(!)
Es hat über ein halbes Jahr gedauert, bis ich ihn wiedergesehen habe!
Er hat es offenbar geschafft unter den zahlreichen Flusskieseln gut getarnt vor meinen Blicken zu überleben. Er ist jetzt ca. 4 cm lang und hat nicht die gelbliche Grundfarbe der C. milesi; ist also vielleicht ein Nachkomme der anderen Chaetostoma.

6.12.
Ich habe schon wieder einen Winzling - genau wie den vom April, an der Frontscheibe gesehen! Sie pflanzen sich also weiterhin fort und die Kleinen werden von den Alten nicht behelligt. Ich habe aber inzwischen das Gefühl, dass neu hinzugesetzte Jungfische (fremde!) bestimmt sofort von den anderen umgebracht würden.

Juni 2004
Ich habe einen kleinen Trupp Chaetostoma nudirostre (L 188) gekauft und erstmal separat in ein Sandbodenbecken gesetzt.


4.Juli 2004
Heute habe ich wieder mal einen ganz kleinen Chaetostoma an der Frontscheibe entdeckt und ihn gleich fotografiert - er ist höchstens 1,5 cm lang.



Klaus Dreymann

Fortsetzung folgt.......

[Ein weiterer Bericht]