Wenn man die Welse - welche auch immer - erstmal zum Ablaichen gebracht hat, ist das wichtigste geschafft - dachte ich anfangs.......Was das Aufziehen der Brut des Ancistrus dolichopterus betrifft mag das ja stimmen, aber irgendwann kommt man zu anderen Welsen und weit schwierigeren Situationen was die Aufzucht betrifft.
Inzwischen weiß ich, was man bei Farlowella-, Sturisoma- und Hemiloricariaarten z.B. beachten muss, um den größten Teil der Larven großzuziehen.
Ich hatte wohl die vielen Äußerungen noch in meiner Erinnerung, in denen von sterilen Becken die Rede gewesen ist, von Becken, deren Boden man regelmäßig mit einem Pinsel von Bakterien reinigen sollte usw.
Inzwischen weiß ich aber, dass gerade Welsbrut teilweise ganz andere Ansprüche hat.
Seit ich folgende Bedingungen eingeführt habe ist die Sterberate bei einigen Welsbruten drastisch zurückgegangen:

Mulm ist ein wichtiger Bestandteil in meinen Aufzuchtbecken.
Mulm ist eben kein toter Abfall, der möglichst schnell entsorgt werden sollte.
Ein Beispiel:
Unter den Lavasteinbecken meines Biofilters habe ich neulich bei der Reinigung einen relativ großen Fisch entdeckt. Dieser Fisch muss als Larve durch den Überlauf dort gelandet sein und er konnte aus diesem Gefängnis nicht mehr entkommen. Er muss sich dort ein paar Jahre nur von Mulm ernährt haben, denn Mulm ist das Einzige, das sich dort unten befindet. Erst wenn sich dieser Mulm mal oben auf dem Lavagestein ansammelt und die Pumpe braune Brühe in die Aquarien zurückpumpt, wird dieser Filter gereinigt - wobei ich dann besagten Fisch lebend vorfand.
Über Sturisomalarven weiß man, dass sie oft nach zwei Wochen plötzlich alle auf einmal sterben können - sie sitzen auf der angebotenen Nahrung und verhungern! Larven hinter Filtermatten jedoch und Larven, die bei den Eltern blieben und in deren Kot wühlen konnten, überlebten. Man kann daraus schließen, dass sie eventuell die angebotene Nahrung noch nicht erschließen können - Ursachen könnten noch nicht fertig entwickelte Maulstrukturen in den ersten Lebenswochen bei den Larven und/oder das Fehlen bestimmter Enzyme im Verdauungstrakt sein. Wenn die Larven aber bestimmte Substanzen aus dem Kot der Elterntiere aufnehmen können, überleben sie die ersten kritischen Wochen.

Quelle 1:
Dr. Norman Frank, Florida, in Reptilien Connection in Kleine Ungeheuer, Die geheime Welt der winzigen Lebewesen, Peter Brookesmith, Gondrom Verlag, Bindlach 1999, ISBN 3-8112-1735-6, S.139 ff.:
Zitat:
Die Bakterien werden ihnen bereits vorgeburtlich [.........] übertragen [.......] oder wenn sie als Jungtiere Kot fressen - für viele Tiere ein normales Verhalten, durch das sie ihre Darmflora aufbauen und Immunität erwerben.
Zitat Ende.

Bakterienrasen führte zur ersten erfolgreichen Aufzucht meiner Farlowellabrut. Alle meine noch so ausgesuchte Nahrung für die Farlowellas wurde von ihnen überhaupt nicht beachtet - sehr zu meinem Leidwesen - aber sie starben nicht! Bis ich mitbekam, dass sie den Bakterienrasen von den Scheiben abraspelten und erst viel später an Tiefkühlspinat gingen.

Ein Überangebot an Nahrung ist ein weiterer Garant für eine erfolgreiche Aufzucht. Man sagt immer, die Brut muss im Futter stehen, um nicht zu verhungern. Das bringt natürlich Probleme mit der Wasserqualität mit sich die man durch sehr häufigen Wasserwechsel beheben kann - ich habe o.g. Mulm und Sand in den Zuchtbecken und eine große Anzahl Turmdeckelschnecken und ein paar Apfelschnecken, so dass ich sicher sein kann, dass Futterreste von den Schnecken schnell verwertet werden.
Ein Beispiel:
Im Moment habe ich gerade eine frisch geschlüpfte Brut von Hemiloricaria spec. RED (bei denen hatte ich anfänglich immer viel größere Probleme, die Larven am Leben zu erhalten, als bei den olivfarbenen Hexenwelsen) - rote Hexenwelse also, bei denen ich auch schon durch die Futterauswahl an den Erhalt der roten Färbung denken will. Diese Brut kriegt mehrmals amTag sechs verschiedene Futtersorten angeboten - Paprika edelsüß-Pulver, Cyclop-eeze (rot), eine zerbröselte Futtertablette, eine Prise Jungfisch-Pulverfutter, zerbröselte Spirulinaflocken und Artemia-Nauplien. Dieses Futter wird durch kräftige Durchlüftung und eine auf den Boden des Zuchtbeckens gerichtete, nicht so starke Strömungspumpe im Umlauf gehalten und den Larven immer wieder vor das Maul gespült. Bisher gibt es keinen einzigen Todesfall unter den Larven und sie zeigen nach der Fütterung immer rote Bäuche.
24.11.
Es sind insgesamt 23 Exemplare. Ich habe sie heute umgesetzt in ein etwas größeres Becken mit zersetztem Laub und viel Wurzelgestrüpp.
LW 1100 µS, pH 7,5, 26 °C, NO2 und NO3 = 0. Diese Aufzuchtmethode mit den diversen Futtersorten hat also gut funktioniert - für Artemia-Nauplien haben sie sich aber offenbar überhaupt nicht interessiert.

Cyclop-Eeze
Dieses rote Pulverfutter scheint mir ein hervorragendes Fischbrut-Aufzuchtfutter für die ersten Wochen zu sein, immerhin führte es dazu, dass bei mir eine komplette Brut roter Hexenwelse ohne Verluste groß geworden ist. Allerdings gibt es auch Hinweise oder Spekulationen, dass man dieses Futter fast schon als eine Art Anabolikum betrachten sollte, oder dass man zumindest vorsichtig mit dem Gebrauch sein sollte, da sich die Wachstumsprozesse durch dieses Futter angeblich beschleunigen..... Im Moment staune ich, dass eine Apfelschnecke, die ich von ihren hundert Geschwistern aus dem 560 ltr-Schlupfbecken seinerzeit getrennt habe, um sie mal testweise in ein winziges Schreibtischbecken zu setzen, inzwischen die Größe ihrer ausgewachsenen Eltern erreicht hat, während die Geschwister eine mir bisher als normal bekannte Entwicklung im gleichen Zeitraum durchgemacht haben, d.h. sie sind ca. kirschgroß.
Eine Erklärung wäre die Fütterung der auch mit ihr zusammenlebenden Hexenwelsbrut mit diesem Cyclop-Eeze, wovon sie natürlich immer etwas abgekriegt hatte...
Das wiederum würde die Gerüchteküche über das Cyclop-Eeze als Anabolikum weiter nähren!


Breeding Box BB 11 Ich kannte diese Zuchtbox bisher nicht, setze sie seit kurzem ein und bin begeistert. Sie ist aus dünnem, aber stabilem Kunststoff, daher sehr leicht. Bisher habe ich mich meistens mit den viel schwereren Gerd-Kästen befasst. Diese BB11 wird nach dem Rucksackprinzip außen (!) an das (an irgend ein) Becken gehängt und per Luftheber aus dem Mutteraquarium betrieben. Der Rücklauf geht durch ein enges Plastikraster und der Wasserinhalt der Box ist durch den Zulauf immer in Bewegung. Z.Zt. ziehe ich dort Sturisomatichthys sp. Kolumbien II (?) hoch, bei denen ja immer noch die These im Raum steht, dass die Larven in den ersten Wochen die Bakterienflora aus dem Elternkot (dem Laichbecken) benötigen. Ich setze im Moment noch einen zusätzlichen Sprudelstein ein, um das Chlorellapulver stärker in Bewegung zu halten. Die ersten drei Fotos habe ich mit dem Makroobjektiv gemacht und habe daher noch kein Komplettbild der Box.

Klaus Dreymann